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Die grüne Basis ahnt das Unausweichliche

Im Kulturtreff Merlin bleiben die Mitglieder beim Bericht aus Berlin merkwürdig still

In Berlin spielt gegenwärtig die politische Musik. Trotzdem ist die Grünen-Abgeordnete Biggi Bender jetzt zu ihrer Stuttgarter Basis gekommen, um Rede und Antwort zu stehen. In der Grünen-Stammkneipe Merlin an der Augustenstraße stieß sie jedoch auf keinerlei Kritik

 

Von Thomas Borgmann

Viele Schlachten hat Stuttgarts grüne Frontfrau Biggi Bender schon geschlagen. In den Achtzigern musste sie sich gegen die Machos in den eigenen Reihen behaupten, in den Neunzigern brachte sie es gar zur Fraktionschefin im Landtag - nun sitzt sie in der 55-köpfigen Bundestagsfraktion. Und wie es aussieht, wird sie, getragen vom Vertrauen ihrer Kreispartei, am 7. Juli erneut nominiert und am 18. September wieder für den Bundestag kandidieren. Zuvor, am 25./26. Juni, muss sie auf dem Landesparteitag in Rottweil schauen, dass sie einen möglichst sicheren Platz auf der Landesliste ergattert. Sonst könnte es für sie eng werden.

Als Biggi Bender an diesem Donnerstagabend gegen 20 Uhr den Kulturtreff Merlin betrat, wo die Grünen traditionell ihre Stuttgarter Dinge verhandeln, war der Saal, der schon so manche politisch historische Stunde erlebt hat, noch fast leer. Der angekündigte "Bericht aus Berlin", so scheint es zunächst, lockt nur wenige von der grünen Basis an - alle ahnen bereits, dass die vor sieben Jahren im Bund errungene Macht am 18. September mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren gehen wird. Rezzo Schlauch, der bekanntlich nicht mehr antreten wird, hat diesen "Bericht aus Berlin" gerne der Kollegin überlassen.

Ohne große Emotionen, so als sei das Rennen bereits gelaufen, schilderte Biggi Bender ihrer Parteibasis die Lage vor Ort. Auch sie sei von des Kanzlers Ankündigung der Neuwahlen überrascht worden; auch sie habe sofort ihren Sommerurlaub abgesagt; auch sie wolle hier nur festhalten, "dass wir nicht an unseren Sesseln kleben". Schade nur, so beteuert sie, "dass von einem Tag auf den anderen die Arbeit stockt". Es tue "richtig weh, die eigene Arbeit nicht zu Ende bringen zu können". Natürlich wäre es "zäh geworden, 15 Monate lang, bis zum Herbst 2006, einer Blockade der CDU im Bundesrat ausgesetzt zu sein". Deshalb sei man in Berlin entschlossen, sich jetzt dem Wahlkampf zu stellen: 30 Seiten, nicht mehr, werde das Wahlprogramm der Grünen umfassen. Die Stimmung in der Bundestagsfraktion sei "trotz allem recht gut". Viele Abgeordnete, so gesteht sie, "kümmern sich bereits um ihre Wiederwahl".

Nachdem Biggi Bender gesagt hat, "dass wir uns mit der SPD kein allgemeines Geharke liefern", ist die Basis an der Reihe. Die schlägt vor, sich im Wahlkampf als eigenständige Partei zu profilieren. Nur einer äußert Kritik an "dem Hin und Her, dem Hü und Hott in Berlin". Ansonsten hat die Abgeordnete ein Heimspiel. Sie liefert ein paar unverbindliche Sätze zum EU-Beitritt der Türkei, zu den polnischen Saisonarbeitern bei der Spargelernte - da drängt die Tagesordnung. Die Kreisgrünen bereiten ihren Wahlkampf vor, möchten nach vorne blicken und die selbstkritische Analyse vermeiden. Womöglich hofft mancher, dass es ihm und seiner Partei in der Opposition wieder besser geht.

 

 

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