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Bürgerbeteiligung - Reformmotor für das Gesundheitswesen

Gesundheitswesen in Deutschland – teuer, aber nicht immer gut

Unsere Gesundheit ist uns teuer. Fast 220 Milliarden Euro geben wir in Deutschland jährlich für Gesundheitsleistungen aus. Davon alleine 125 Milliarden Euro über die Gesetzliche Krankenversicherung.

Unsere Gesundheit ist uns wichtig – darum darf sie auch etwas kosten. Aber das Geld fließt nicht immer dorthin, wo es wirklich gebraucht wird. Während chronisch Kranke häufig unzureichend versorgt werden, müssen andere Patienten aufwändige Doppeluntersuchungen, übertriebene Apparate-Diagnostik und überlange Krankenhausaufenthalte über sich ergehen lassen. Über-, Unter- und Fehlversorgung bestehen nebeneinander.

Wenn wir auch künftig eine hochentwickelte Gesundheitsversorgung und bezahlbare Beitragssätze haben wollen, werden wir in unserem Gesundheitswesen einiges ändern müssen: Unser Gesundheitswesen braucht mehr Wirtschaftlichkeit und mehr Qualität.

Patienten und Versicherte - Anwälte der Qualität

Qualität in der Medizin ist auf wissenschaftlichen Sachverstand angewiesen. Die genauen Wirkungen medizinischer Verfahren lassen sich häufig nur auf wissenschaftliche Weise vorhersagen oder nachweisen.

Aber Qualität ist mehr. Qualität, das ist auch der Arzt, der seinen Patienten als gleichberechtigtes Gegenüber und nicht als passives Behandlungsobjekt begreift. Qualität, das heißt auch den chronisch Kranken als Sachverständigen seiner selbst ernstzunehmen, der seinen Körper besser kennt als jeder noch so fähige Arzt oder Wissenschaftler.

Die besten Anwälte für dieses umfassende Qualitätsverständnis sind die Versicherten und Patienten selbst. Kein Ärzteverband, keine Krankenkasse und keine staatliche Verwaltung können ein solches dringendes Interesse an der Verbesserung der Qualität der medizinischen Versorgung haben, wie deren aktuellen und potentiellen Verbraucher.

Bündnis 90/Die Grünen stellen deshalb die Aufwertung der Rolle der Versicherten und Patienten ins Zentrum ihrer Gesundheitspolitik. Auch das Gesundheitswesen braucht konsequente Verbraucherpolitik.

Bausteine einer bürgerorientierten Gesundheitspolitik

Für ein Gesundheitswesen, in dem die Versicherten und Patienten auf gleicher Augenhöhe mit Ärzten und Krankenkassen agieren, braucht es vor allem:

Das tun wir:

Bereits mit der Gesundheitsreform 2000 haben wir die Förderung von Selbsthilfegruppen, -verbänden und -kontaktstellen sowie unabhängigen Patientenberatungsstellen maßgeblich verbessert. Auf diesem Weg hin zu mehr Bürgerorientierung werden wir mit der Gesundheitsreform 2003 weitergehen:

Wir werden eine Patientenquittung einführen, so dass der Patient sehen kann, welche Leistungen sein Arzt erbracht hat.

Wir werden den Bundesausschuss Ärzte und Krankenkassen für die interessierte Öffentlichkeit transparent machen. An diesem zentralen Steuerungsgremium der gesetzlichen Krankenversicherung, in dem auch über den Leistungskatalog der Krankenversicherung entschieden wird sollen Patientenvertreter beteiligt werden.

Wir werden durch mehr Wettbewerb die Voraussetzungen für eine größere Angebotsvielfalt und mehr Wahlmöglichkeiten für die Versicherten und Patienten schaffen. Kooperative Versorgungsformen, wie Ärztenetze und Gesundheitszentren werden aufgewertet.

Wir werden mit einer Patienten-Charta die heute auf viele verschiedene Gesetze und Berufsordnungen verstreuten Patientenrechte zusammenfassen und damit für alle Versicherten und Patienten zugänglich machen.

Das können Sie tun:

Gesundheit kann nicht einfach verordnet werden. Die Prävention, aber auch die Akutversorgung, Rehabilitation und Pflege können nur dann gelingen, wenn die Bürger und Patienten sich selber für ihre Gesunderhaltung und Genesung engagieren.

Beraten lassen sowohl über gesundheitliche Themen als auch über Ihre Rechte als Versicherte und Patienten können Sie sich bei Krankenkassen, unabhängigen Patientenstellen, Verbraucherzentralen oder Selbsthilfeorganisationen. Anschriften können Sie dem örtlichen Telefonbuch entnehmen. Weitere Informationen und Adressen erhalten Sie auch auf bei den Internet-Adressen, die wir unter der Überschrift „Zum Weiterlesen“ aufgeführt haben.

Das können wir von anderen lernen:

In vielen anderen europäischen Ländern haben individuelle Patientenrechte und gemeinschaftliche Bürgerbeteiligung im Gesundheitswesen eine sehr viel längere Tradition als bei uns. So sind z.B. in den skandinavischen Ländern die Patientenrechte in den Bereichen Information, Qualität und Schadenersatzregulierung vorbildhaft. Und in den Niederlanden sind die Patientenorganisationen und –verbände stark in das gesundheitspolitische Geschehen integriert. Dort werden Patientenvertretungen sogar direkt an den Verhandlungen zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern über die Weiterentwicklung der regionalen Versorgungsstrukturen beteiligt. Nicht alles, was uns im Ausland gut gefällt, werden wir in Deutschland umstandslos umsetzen zu können. Dazu sind die Gesundheitswesen zwischen den verschiedenen Ländern zu unterschiedlich organisiert. Aber viele Anregungen lassen sich durch einen Blick über die Grenzen hinaus gewinnen. So hat sich Bündnis 90/Die Grünen und die SPD von den guten Erfahrungen mit Patientenanwälten und „Ombudsleuten“ in anderen Ländern anregen lassen. Noch in diesem Jahr wird ein Patientenbeauftragter der Bundesregierung eingesetzt, der als Ansprechpartner und Sprachrohr für die Patienteninteressen wirken wird.

Weiterlesen:

Robert Francke/Dieter Hart, Bürgerbeteiligung im Gesundheitswesen, Baden-Baden 2001

Links zum Thema Patientenrechte:

www. patientenstellen.de (Bundesarbeitsgemeinschaft der PatientInnenstellen e.V.)
www. agv.de (Verbraucherzentralen Bundesverband e.V.)
www.bzga.de (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)
www.bmgesundheit.de (Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung)

 

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