Darmkrebs-Screening ist keine Spielwiese der Kassen

Zum Vorpreschen einzelner Krankenkassen beim Darmkrebs-Screening erklärt Biggi Bender, Sprecherin für Gesundheitspolitik:

 

Krankenkassen setzen das Prinzip der informierten Entscheidung aufs Spiel, wenn sie jetzt aus Ungeduld die Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Darmkrebsfrüherkennung vorwegnehmen. Einer neutralen Aufklärung kommt bei risikoreichen Interventionen wie Krebsscreenings eine besonders hohe Bedeutung zu. Es hatte gute Gründe, warum der Gesetzgeber im Januar zunächst dem G-BA den Auftrag gegeben hat, Vorgaben zur Durchführung der Screenings zu machen, z.B. zu den Zielgruppen, Untersuchungsabständen, Untersuchungsmethoden, der Qualitätssicherung, der wissenschaftlichen Evaluation. All dies wird nun in Frage gestellt.

 Das Bundesgesundheitsministerium wird seiner Verantwortung nicht gerecht, wenn es in der Antwort auf meine Schriftliche Frage den hier entstehenden Flickenteppich aus verschiedensten Screening-Projekten sogar begrüßt. Es kündigt damit den Konsens auf, der beim Kampf gegen das graue Mammografie-Screening vor vielen Jahren bereits gefunden zu sein schien, als ein einheitliches, qualitätsgesichertes Screening als gemeinsames Ziel formuliert wurde. Profilierungsversuche von Kassenvorständen oder Einkommensinteressen von Leistungserbringern sind bei der Krebsfrüherkennung fehl am Platze. Screenings sind weder ein geeignetes Wettbewerbsfeld noch eignen sie sich für Experimente an den Versicherten.

Sollten die Kassen ihren Aktionismus nicht einstellen, werden die Screening-Untersuchungen mit allen Konsequenzen nun vorschnell eingeführt werden. Auch beim Mammografie-Screening wissen wir heute, dass sich die anfängliche Hoffnung auf viele gerettete Menschenleben nicht erfüllt hat, gleichzeitig aber in vielen Fällen ein beachtlicher gesundheitlicher Schaden ausgelöst wurde. Aber diese Wahrheit ist unbequem.

 

Die Schriftliche Frage mit Antwort vom 10.07.2013 finden Sie finden Sie unter folgendem Link: gruenlink.de/klx

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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