Von der Aidsprävention lernen!
Von der Aidsprävention lernen!
Die im internationalen Vergleich „geringen“ Zahlen von etwa 56.000 Männern und Frauen, die mit einer HIV-Infektion oder der ausgebrochenen Krankheit Aids in Deutschland leben sowie die über Jahre konstante, seit 2003 jedoch wieder ansteigende Zahl der Neuinfektionen (jährlich etwa 2.700) sind das Ergebnis guter zielgruppenspezifischer Präventionsarbeit. Die Aidsprävention ist das gelungenste in der Bundesrepublik jemals durchgeführte Präventionsprojekt. Wichtig dafür ist das gut abgestimmte Zusammenspiel von bundesweiten Kampagnen, zielgruppenspezifischen Angeboten, z.B. für Schwule oder DrogenkonsumentInnen, die Kooperation mit vielfältigen zentral und dezentral arbeitenden Organisationen sowie die Einbeziehung ehrenamtlich Tätiger. Aus diesen wertvollen Erfahrungen müssen bei zukünftigen Präventionsanstrengungen Lehren gezogen werden.
Aidsprävention im stetigen Wandel!
Gleichzeitig befindet sich die HIV-Epidemie seit einigen Jahren in Deutschland in einer Übergangs- und Umbruchsphase, die eine Ausdifferenzierung der Präventionsarbeit erforderlich macht. Die steigenden Infektionszahlen insbesondere bei Schwulen sind Besorgnis erregend. Sie zeigen, dass eine breite, zielgruppenorientierte Prävention, die über sehr viele Jahre positive Wirkungen erzielte, an Grenzen stößt.
Als zentrale Ursachen für den Anstieg von HIV-Neuinfektionen werden vermutet:
- Das Verschwinden von Aids aus den Medien und der öffentlichen Diskussion.
- Es hat sich ein verändertes Risikoverhalten, verbunden mit einem nachlassenden Schutzverhalten, entwickelt. Dieses baut auf dem Irrglauben auf, dass HIV und Aids keine Gefahren mehr darstellen (fehlende öffentliche Diskurse; die Vorstellung, Aids sei mit Medikamenten erträglich oder gar heilbar).
- Eine Angleichung der HIV-Neuinfektionen in ost- und westdeutschen Städten.
- Über HIV und AIDS gut informiert zu sein, führt nicht automatisch zu safer sex.
Neue Wege, mit denen z.B. junge Schwule erreicht werden, müssen getestet und zusätzliche Zielgruppen, z.B. MigrantInnen und SpätaussiedlerInnen müssen besonders berücksichtigt werden. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Aidshilfen und Präventionsfachleute stehen in der Verantwortung, die bisherigen Präventionsmaßnahmen kritisch darauf zu überprüfen, ob sie heute noch passen, und wo Weiter- oder Neuentwicklungen von Präventionskonzepten notwendig sind.
Zentraler Ansatzpunkt jeder zielgruppenspezifischen Präventionsüberlegung sollte die Frage sein, warum safer sex von denen, die gut informiert sind, nicht praktiziert wird. Will man (un)bewusst das Schicksal herausfordern? Welche Rolle spielt der Konsum von legalen und illegalen Drogen? Wird über safer sex geredet oder aneinander vorbei interpretiert: „Er nimmt kein Kondom, also ist er negativ“ denkt der Eine und der Andere: „er nimmt kein Kondom, also ist er positiv wie ich“?
Mädchen und Frauen in den Blick nehmen!
Bei der Gesamtbetrachtung stellen Mädchen und Frauen in Deutschland, im Gegensatz zu internationalen Zahlen, eine im Vergleich kleine Personengruppe von unter 20 Prozent der HIV-Infizierten. Für die nach „Männern, die Sex mit Männern haben“ zweit- und drittgrößte Gruppe der Betroffenen – MigrantInnen aus Hochprävalenz-Ländern und durch Übertragung auf heterosexuellem Weg Infizierte – trifft dies bereits nicht mehr zu. Etwa die Hälfte sind Mädchen oder Frauen. Gefragt sind hier geschlechtsspezifische Ansätze, die berücksichtigen, dass Frauen eine doppelt so hohe Ansteckungswahrscheinlichkeit bei ungeschütztem heterosexuellem Sex haben. Ebenso ist zu berücksichtigen, dass Mädchen und Frauen eher sozial und ökonomisch benachteiligt sind. Dieser Aspekt ist sowohl bei der Prävention, bei der Entbindung Schwangerer, der Behandlung und der Betreuung von bereits an Aids erkrankten Mädchen und Frauen zu berücksichtigen.
HIV/Aids in Deutschland - Eckdaten und Trends
Epidemiologische Kurzinformation des Robert Koch-Instituts
Stand: Ende 2006
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Menschen, die Ende 2006 mit HIV/AIDS leben |
~ 56.000 |
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Männer |
~ 47.000 |
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Frauen |
~ 8.500 |
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Kinder |
~ 400 |
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darunter Menschen, die mit AIDS leben |
~ 8.700 |
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Zahl der Neuinfektionen im Jahr 2006 |
~ 2.700 |
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Männer |
~ 2.200 |
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Frauen |
~ 550 |
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Kinder |
~ 20 |
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Infektionswege (geschätzt) |
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Männer, die Sex mit Männern haben |
70 % |
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Heterosexuelle Kontakte |
20 % |
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intravenöser Drogengebrauch |
9 % |
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Mutter-Kind-Transmission |
1 % |
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Neue AIDS-Erkrankungen im Jahr 2006 |
~ 1.200 |
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Männer |
~ 975 |
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Frauen |
~ 225 |
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Kinder |
< 5 |
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Todesfälle im Jahr 2006 |
~ 600 |
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Gesamtzahl der HIV-Infizierten seit Beginn der Epidemie |
~ 82.000 |
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Gesamtzahl der AIDS-Erkrankungen seit Beginn der Epidemie |
~ 32.500 |
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Männer |
~ 28.100 |
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Frauen |
~ 4.400 |
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Kinder |
< 200 |
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Gesamtzahl der Todesfälle bei HIV-Infizierten seit Beginn der Epidemie |
~ 26.000 |

