Informationspolitik zur Schweinegrippe: Bundesregierung widerspricht sich
Die ersten Erfahrungen mit der Impfung gegen Schweinegrippe (Neue Influenza H1N1) zeigen: Die Informationspolitik und die Umsetzung der Impfaktion sind unübersichtlich. Einerseits ist dies dem deutschen Föderalismus geschuldet. Die Bundesländer sind für den Infektionsschutz und das Impfwesen sowie die damit zusammenhängende Informationskampagne zuständig. Der Bundesregierung fallen eher moderierende Funktionen zu, um einheitliche Vorgehensweisen und Regelungen zu treffen. Die Ergebnisse des kürzlich stattfindenden „Impfgipfels“ der LändergesundheitsministerInnen und Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler blieben ernüchternd. Nach dem Aufruf an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen, ruderte Rösler mit der Bemerkung zurück, dass aber nicht jeder sofort zu den Impfstellen rennen solle. Diese Botschaft kann nur so verstanden werden: „Lassen Sie sich impfen, denn die Schweinegrippe kommt – aber bitte nicht alle und auch nicht sofort, denn es gibt nicht genug Impfstoff für alle“.
Der Teufel steckt im Detail
Die Bundesregierung rät Menschen mit einer Hühnereiweißallergie, sich nicht mit einem Impfstoff impfen zu lassen, der aus Hühnereiern gewonnen wurde. Grundsätzlich steht seit Kurzem auch ein Impfstoff zur Verfügung, der für AllergikerInnen geeignet ist, da er auf Basis von Zellkulturen hergestellt wird. Auf Nachfrage der grünen Bundestagsfraktion teilte die Bundesregierung jedoch mit, dass die für die Impfstoffbeschaffung zuständigen Länder nicht beabsichtigen, für diese Personengruppe einen gesonderten Impfstoff zu beschaffen, mit dem außerdem die bestehende Impfstoffknappheit ausgeglichen werden könnte. Stattdessen teilt die Bundesregierung mit, dass der derzeit für die Bevölkerung verfügbare Impfstoff auch für die Impfung von Hühnereiweißallergikern unter bestimmten Voraussetzungen geeignet sei – ein Widerspruch zur offiziellen Informationspolitik der Bundesregierung!
Empfehlung ja, Umsetzung nein
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung Schwangeren, da sie zu den Risikogruppen gehören und im Fall einer Erkrankung mit schweren Nebenwirkungen zu rechnen ist. Die Kommission schlägt in ihrer Impfempfehlung vor, Schwangere mit einem nicht-adjuvantierten Impfstoff zu impfen (Impfstoff ohne Wirkverstärker). Dieser Impfstoff steht jedoch bisher nicht zur Verfügung. Auf dem Impfgipfel der Gesundheitsminister wurde ein entsprechender Impfstoff für Dezember angkündigt. Laut STIKO lägen zudem keine Daten vor, die eine Empfehlung für Schwangere für den zur Verfügung stehenden Impfstoff mit Wirkstoffverstärkern zulassen würde.
Gesundheitsminister Rösler muss mit den Bundesländern ein einheitliches Vorgehen verabreden und die widersprüchliche Informationspolitik seines Hauses beenden.

