Entscheidung pro oder contra Schweinegrippeimpfung ermöglichen

Entscheidung pro oder contra Schweinegrippeimpfung ermöglichen

Im Moment scheint die Schweinegrippe (auch Neue Grippe, Mexiko- oder Amerikagrippe) ähnlich gefährlich zu sein, wie die "übliche" saisonale Grippe. Wir wollen weder Ängste schüren, noch die Situation verharmlosen. Als Grüne setzen wir uns für umfassende und ausgewogene Informationen ein, die eine persönliche Abwägung möglich machen. Wir stellen fest, dass es in der Bevölkerung einen großen Bedarf an gesicherten Informationen gibt, um sich ein realistisches Bild sowohl von dieser Neuen Grippe als auch von einer möglichen Impfung zu machen.
Zur Zeit ist unklar, ob es bei den eher leichten Symptomen der Schweinegrippe bleibt oder in einer der weiteren Wellen zu sehr viel ernsteren bis hin zu einer größeren Zahl von tödlichen Erkrankungen kommt. Vorsorgemaßnahmen, wie z.B. die Entwicklung eines geeigneten Impfstoffes, die Zulassungstests (zur Feststellung von Wirksamkeit und Sicherheit) und die Produktion dieser Impfstoffe sind daher sinnvoll.
Eine Impfpflicht – nicht nur für die Schweinegrippe sondern für jede Impfung - lehnen wir Bündnisgrünen strikt ab. Dies gilt auch für Vorschläge, die eine solche Pflicht für bestimmte Personengruppen, wie z.B. Gesundheitsberufe, fordern. Unabdingbar ist es aus grüner Sicht, dass die Patientensouveränität gewahrt wird: Jede Person muss sich ohne Sanktionen für oder gegen eine Impfung entscheiden können. Damit eine informierte Entscheidung für oder gegen eine Impfung erfolgen kann, müssen Informationen über die Vor- und Nachteile zur Verfügung gestellt werden und durch die Ärzteschaft umfassend aufgeklärt werden. Dabei ist über den aktuellen Stand der Erfahrungen mit den Krankheitsverläufen, die Wirksamkeit des Impfstoffes und die möglichen Nebenwirkungen zu informieren. Dabei sollten auch kritische Stimmen berücksichtigt werden.

Fragen rund um den Schweinegrippe-Impfstoff

Der Impfstoff gegen die Neue Grippe wird auf der Basis von Musterzulassungen entwickelt. Der dort enthaltene Virusstamm wird durch den Pandemie-Virusstamm ausgetauscht. Der neue Impfstoff benötigt dann keine Zulassung, sondern ausschließlich eine Genehmigung zur Stammanpassung. Aktuell werden von vielen Seiten kritische Fragen zu den in Deutschland von den Bundesländern bestellten Impfstoffen gestellt. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Impfung besonders für Risikopatientinnen und -patienten aber auch Schwangere empfohlen wird, der Impfstoff jedoch (bei Schwangeren zur Sicherheit der Frau und des werdenden Kindes) nicht an diesen Gruppen getestet wird. Hierüber muss vor einer Impfung umfassend aufgeklärt werden, damit eine echte individuelle Risikoabwägung möglich wird.
Wir Grünen nehmen diese Anfragen ernst und fordern von der Bundesregierung in einer Kleinen Anfrage, in der wir die Kritik aus Wissenschaft und Medizin aufgreifen, Antworten ein.

Hintergrundinformationen

In den letzten Jahren wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Möglichkeit einer weltweiten Grippeausbreitung auf der 6 Stufen umfassenden Skala mit 3 (Neues Virus mit Erkrankungsfällen beim Menschen: Keine oder nur sehr wenige Übertragungsfälle vom Menschen zum Menschen) bewertet. Seit Ende April 2009 hat die WHO aufgrund des Auftretens der sogenannten Neuen Grippe  sukzessive die Einstufung erhöht. Seit 11. Juni 2009 gilt die höchste Stufe 6 (Neues Virus mit Erkrankungsfällen beim Menschen: Wirkungsvolle und fortwährende Übertragung vom Menschen zum Menschen). Daraufhin hat die WHO die Staaten zu mit dieser Warnstufe verbundenen vorbeugenden Maßnahmen aufgerufen.
Die WHO stuft die Pandemie bislang als moderat ein. Die Symptome der Neuen Grippe sind ähnlich wie bei saisonaler Influenza, und gehen vor allem mit Fieber, Atemwegsbeschwerden und Gliederschmerzen einher.
In der Europäischen Union wurden seit dem Beginn der Neuen Grippe bis zum 27.8.09 knapp 45.000 Infektionen gemeldet. In der Europäischen Union sind bislang 94 Todesfälle registriert worden, die meisten davon in Großbritannien (59). Aus Deutschland sind keine Todesfälle bekannt, es wird von einigen schweren Verläufen berichtet.
Bis zum 26.8.09 waren dem Robert-Koch Institut (RKI) insgesamt 15.259 Fälle der Neuen Grippe (Influenza H1N1/2009) übermittelt worden. Darunter 3.711 Fälle bei denen die Ansteckung in Deutschland erfolgte. Die meisten der Erkrankten sind in der Zwischenzeit bereits wieder gesund.