Fachgespräch Gender und Prävention

Die Tatsache, dass Frauen und Männer unterschiedlichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind, belegt die Bedeutung geschlechtergerechter Präventions- und Gesundheitsförderungsstrategien. Es gibt frauen- und männerspezifische Krankheits- und Gesundheitsmuster. So weisen Jungen in der Kindheit, Mädchen hingegen im Jugendalter mehr medizinisch relevante Befunde auf. Männer nehmen Präventionsangebote weniger in Anspruch, Frauen werden häufiger Arzneimittel verschrieben (z.B. Östrogene, Psychopharmaka).

Gender Mainstreaming – Noch nicht umfassend in der Prävention verankert!

Seit dem Amsterdamer Vertrag von 1997 stellt Gender Mainstreaming eine rechtsverbindliche Handlungsgrundlage für die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dar. Gender Mainstreaming meint eine geschlechterbezogene Sichtweise in allen politischen Konzepten, auf allen Ebenen und in allen Phasen politischer Prozesse. Prof. Dr. Petra Kolip, Universität Bremen, brachte die Problematik in ihrem Beitrag „Gender und Prävention – Wie geht Prävention bei und mit Frauen“ auf den Punkt: Frauen und Männern müssten dort die gleichen Angebote zugänglich gemacht werden, wo sie auch gleiche gesundheitliche Bedürfnisse haben. Dort wo Frauen und Männer unterschiedliche Gesundheitsbedürfnisse haben, müssen geschlechtsspezifische Präventionsmaßnahmen angeboten werden. Es komme darauf an, männer- und frauenspezifische Versorgungs- und Präventionsbedarfe zu identifizieren und die Geschlechterperspektive bei allen Vorhaben und Projekten zu berücksichtigen.

Männer gehen häufiger Gesundheitsrisiken ein als Frauen

Bei Männern besteht ein Gesundheitsförderungsparadox. Zu dieser Einschätzung kam der Männergesundheitsexperte Thomas Altgeld von der Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen e.V. So verfügen Männer über eine geringere Lebenserwartung als Frauen und gehen zusätzlich häufiger Gesundheitsrisiken ein. Geschlechtsspezifische Präventionsmaßnahmen würden nach wie vor eher für Frauen als für Männer konzipiert und vorgehalten. Altgelds Resümee: Männliche Zielgruppen müssten - verbunden mit genauen Belastungs- und Ressourcenanalysen –  klar bestimmt und angesprochen werden.

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich aus einer geschlechtssensiblen Gesundheitsberichterstattung für die Prävention? Mit dieser Frage setzte sich Dr. Cornelia Lange vom Berliner Robert Koch-Institut auseinander. Geschlechtssensible Gesundheitsberichterstattung ermögliche die Identifizierung spezifischer Präventionspotenziale und –bedarfe von Frauen und Männern. Berücksichtigt werden müsse dabei aber nicht nur der Gesundheitszustand, sondern auch die soziale Lebenssituation, wie Ausbildung, Familien- und Wohnsituation oder sozialer Zusammenhalt. Frauen und Männer müssten in Zukunft gleiche Zugänge zu soziökonomischen Ressourcen haben und politisch partizipieren können. Erst dann würde sich eine Geschlechtergerechtigkeit herstellen lassen, die Frauen und Männern gleiche Gesundheitschancen eröffne.

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