Prävention als Leitthema grüner Gesundheitspolitik

Befürworterinnen und Befürworter der Prävention gibt es genug. Trotzdem ist sie bislang ein Stiefkind der Gesundheitspolitik. So hat es die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen auf ihrem Kongress „Prävention als Leitthema grüner Gesundheitspolitik“ formuliert.

Auf unserem Kongress am 20./21. April 2007 in Berlin haben zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber diskutiert, welche Strukturen und Zielvorstellungen der Prävention und Gesundheitsförderung notwendig und geboten sind, um Gesundheit nachhaltig zu stärken.

Gesundheitschancen für alle verbessern

Eine zentrale Herausforderung einer nachhaltigen Präventionspolitik besteht darin – so ein Kongressergebnis -, sozial bedingte gesundheitliche Ungleichheit von Gesundheitschancen zu reduzieren. Sozial benachteiligte Menschen haben ein deutlich höheres Risiko, vorzeitig zu erkranken, zu versterben oder zu verunfallen. Klar war aber auch: Der gute Wille der in der Prävention tätigen Akteurinnen und Akteure allein genügt nicht. Das Handlungsfeld muss sich professionalisieren und ein starke Lobby bilden. Schließlich müssen die bereits bestehenden Angebote besser miteinander vernetzt und in gemeinsame Strukturen gebracht werden.

Wir haben auch internationale Erfahrungen in den Kongress einbezogen. So diskutierten wir das in Deutschland noch eher unbekannte Health Impact Assessment (Gesundheitsfolgenabschätzung/Gesundheitsverträglichkeitsprüfung) mit Experten aus Großbritannien und Deutschland. Ziel dieser Methode ist, Informationen für Entscheidungsträger über die gesundheitsbezogenen Folgen unterschiedlicher Handlungsalternativen bereit zu stellen (z.B. bei Bauvorhaben). Die Methode soll auch dazu dienen, Gesundheit in möglichst vielen Handlungs- und Politikfeldern zu verankern.

Neue Themen der Prävention

Im Mittelpunkt der Diskussion standen aber auch neue, im Kontext der Prävention bislang wenig diskutierte Themen. So haben wir Chancen und Risiken genetischer Tests thematisiert. Mit diesen Tests können Wahrscheinlichkeitsaussagen über ein mögliches Ausbrechen einer Krankheit in der Zukunft gemacht werden. Ob das ist immer sinnvoll ist, ist fraglich, sind doch viele Krankheiten, über deren möglichen Ausbruch Wahrscheinlichkeitsaussagen gemacht werden können, heute noch nicht heilbar. Patientinnen und Patienten wären in diesem Fall beispielsweise psychischen Belastungen ausgesetzt. Einigkeit bestand dahingehend, dass es für den Bereich der Gendiagnostik rechtlicher Regelungen bedürfe. Die grüne Bundestagsfraktion hat deshalb einen Entwurf für ein Gendiagnostikgesetz erarbeitet, der – so die Referentinnen und Referenten – eine Grundlage darstelle, um den bestehenden Wildwuchs bei den gesetzlichen Regelungen im Bereich der Gendiagnostik zu begrenzen.

Gesundheit ist inzwischen ein großer Markt. Die Gesundheitswirtschaft umfasst die Herstellung und Vermarktung von Gütern und Dienstleistungen, die der Bewahrung und Wiederherstellung der Gesundheit dienen. Der Gesundheitstourismus oder die Fitness- und Wellnessindustrie sind nur einige Beispiele für eine expandierende Gesundheitswirtschaft.

Neben den Chancen der Gesundheitswirtschaft müssen aber auch die Grenzen ausgelotet werden. Hier kommt es darauf an, die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher auf der einen Seite und die Interessen der Gesundheitswirtschaft auf der anderen Seite miteinander in Einklang zu bringen. Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen dürfen nicht sich selbst überlassen werden. Eine Möglichkeit, den Gesundheitsmarkt transparent zu gestalten, können Zertifizierungen und Qualitätsprüfungen für Anbieter und Angebote sein.

Wir werden aus dem Kongress einige Aspekte aufgreifen und vertiefend diskutieren. Bereits vor der Sommerpause veranstalten wir ein Fachgespräch zum Thema Gender und Prävention. Nach der Sommerpause, im September, werden wir uns mit der Frage der Organisation und Steuerung der Prävention auseinandersetzen.