Alles wird besser, aber nichts wird gut!

Die Gesundheitsreform ist gelaufen. Inzwischen kräht kein Hahn mehr nach der Reform; alle Beteiligten fügen sich ihrem Schicksal. Fast wäre das Gesetz zwischen Bundestag, Bundesrat und Bundespräsidialamt auf der Strecke geblieben. Das hohe Haus hatte kaum Zeit, die Reform sorgfältig zu prüfen. Jetzt kann es endlich losgehen. Wird jetzt alles besser?

Die sich ausbreitende Gelassenheit scheint vor allem darauf zurückzuführen zu sein, dass sich alle einig sind. Die Reform löst kein einziges der Probleme unseres Gesundheitswesens. Sie ist eine riesige Attrappe. Die Inhalte der Reform gleichen Potemkinschen Dörfern. Leider ist es der Koalition nicht einmal gelungen, ihre Potemkinschen Dörfer fein herauszuputzen, um die eigentlichen Reforminhalte zu verhüllen. Die Fassade bröckelt, bevor Leistungserbringer, Kostenträger sowie Bürgerinnen und Bürger durchs Dorf getrieben werden. Was müssen sie dort besichtigen?

Da wäre zum Beispiel der schöne Schein der allgemeinen Versicherungspflicht. Alle Menschen sollen entweder in der PKV oder der GKV versichert sein. Bislang nicht Versicherte werden in den Systemen aufgefangen. Im Großen und Ganzen handelt es sich jedoch um ein Netz ohne doppelten Boden. Eine Beteiligung besser verdienender Bevölkerungsgruppen findet nach wie vor nicht statt. Die allgemeine Versicherungspflicht verspricht ein „alles wird besser“. Tatsächlich aber wird nichts gut!

Die Koalitionäre waren angetreten, um den Wettbewerb, um mehr Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen zu stärken. Schauen wir auf die Apotheken. Diese müssen in Zukunft ganze 2,30 Euro statt 2 Euro Rabatt an die Krankenkassen abführen. Die ursprünglich vorgesehene Liberalisierung der Arzneimittelverordnung findet nicht statt. Dieser gesundheitspolitische Notgroschen reicht nicht mal aus, um die abgenutzte Fassade wieder zum glänzen zu bringen. Man bessert hier und da aus, um die Einsturzgefahr in Grenzen zu halten.

Nicht in Grenzen gehalten wird die Entwicklung der Beitragssätze. Diese sind bereits zum Beginn des Jahres kräftig gestiegen. Wenn schon keine Steigerung des Wettbewerbs, dann doch wenigstens eine der Beiträge! Wieso auch nicht, die Bundesregierung muss den Schlamassel ja nicht ausbaden. Sie hat den schwarzen Peter den Bürgerinnen und Bürgern sowie den gesundheitspolitischen Akteuren zugeschoben. Streit ist vorprogrammiert! Anstatt eine nachhaltige Umgestaltung des Gesundheitswesens voranzutreiben, forciert die Bundesregierung eine nachhaltige Streitkultur. Herzlichen Glückwunsch!

Der (un)schöne Schein der Gesundheitsreform wird bald vom Winde verweht werden. Reformattrappen dieses Ausmaßes wird sich die Koalition dann wohl nicht mehr zumuten.