Drogenpolitik – Die Situation im Jahr 2005

Die Debatte über Drogenpolitik ist weniger von Polemik und ideologischen Scheuklappen geprägt als früher. Wir sind vielmehr einer parteiübergreifenden rationalen Drogenpolitik (Ausnahme Cannabis) einen großen Schritt näher gekommen. Bei den harten Drogen ist Überlebens- und Ausstiegshilfe inzwischen auch in CDU-regierten Bundesländern Praxis.
Die Drogenpolitik konzentriert sich nicht mehr einseitig auf illegale Drogen - Alkohol und Tabak haben wir genauso in den Blick genommen.

Cannabiskonsum wird leider weiterhin dämonisiert. Aus grüner Sicht ist die Politik der Kriminalisierung gescheitert. Trotz Strafverfolgung konsumieren immer mehr und immer jüngere Menschen Cannabis und Haschisch. Wir erreichen weit mehr durch Prävention, Aufklärung und - wo notwendig - Therapie. Die Kriminalisierung erschwert jedoch Aufklärungsarbeit: Wer über Cannabiskonsum offen spricht, gerät schnell in den Verdacht, für den Konsum zu werben.

Der Konsum von legalen und illegalen Drogen stagniert auf einem hohen Niveau, der Cannabiskonsum nimmt zu:

Alkohol: Ca. 1,6 Mio. Menschen (2,4 % der Bevölkerung über 18 Jahren) sind alkoholabhängig, Alkoholmissbrauch liegt bei 2,65 Mio. Menschen (4 % der Bevölkerung über 18 Jahren) vor. Damit verbunden sind etwa 40.000 alkoholbedingte Todesfälle pro Jahr, 238.000 Straftaten unter Alkoholeinfluss und etwa 33.000 Verkehrsunfälle mit Personenschaden.

Tabak: Etwa 37 % der über 18-jährigen Männer und 28 % der gleichaltrigen Frauen rauchen. Der Anteil der rauchenden Männer sinkt, der der rauchenden Frauen steigt. Erschreckend ist, dass das Einstiegsalter von rauchenden Mädchen und Jungen immer weiter sinkt. Erst die kürzlich erfolgten Tabaksteuererhöhungen haben diese Entwicklung gestoppt. Die tabakbedingten Todesfälle werden auf jährlich 111.000 geschätzt (43.000 Krebs, 37.000 Kreislauf-, 20.000 Atemwegserkrankungen).

Arzneimittel: 1,3-1,4 Mio. Menschen sind in Deutschland arzneimittelabhängig. Etwa 5-6 % der am häufigsten verschriebenen Arzneimittel (z.B. Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel) besitzen ein Suchtpotential. Schätzungen gehen davon aus, dass 30-35 % der Medikamente nicht wegen akuter medizinischer Probleme sondern zur Vermeidung von Entzugserscheinungen verordnet werden.

Cannabis: Der Cannabiskonsum steigt seit Jahren kontinuierlich an. Hatten im Jahr 1980 14,4 % der 18-24-Jährigen Erfahrungen mit Cannabis, so waren es im Jahr 2003 bereits 42,7 % dieser Altersgruppe. JedeR vierte 18-20-Jährige und jedeR fünfte der 21-24-Jährigen hat im letzten Jahr Cannabis konsumiert. Durchschnittlich rauchen Jugendliche mit 15,4 Jahren ihren ersten Joint.

Harte illegale Drogen werden von ca. 250 - 300.000 Menschen konsumiert. Seit dem Jahr 2000 sinkt die Zahl der Rauschgifttoten kontinuierlich. Im Jahr 2003 starben 1.477 Menschen, im Jahr 2000 waren es noch 2030.